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FREIES WORT | Eintauchen in die bunte Welt des Orients

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Erschienen am 18.02.2010 00:00
Gewerbe
Eintauchen in die bunte Welt des Orients
Was einen Marokkaner nach Eisfeld verschlägt und weshalb täglich mehrere Lastwagen die einstige Zeiss-Halle in der Coburger Straße ansteuern.
Von Christel Kühner

Eisfeld - Eben noch Flockenwirbel, Eis unter den Füßen und
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Sandra Kalmbach und Mohamed Zine Liyame in ihrem Eisfelder Reich. Hier fühlen sie sich Marokko ganz eng verbunden.
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Kälte um die Nase. Jetzt gedämpftes Licht in warmen Farben, orientalische Musik und irgendwie das Gefühl von Sonne und Wärme. So schnell kann's gehen!

In Eisfeld, gleich neben dem Rewe-Markt in der Coburger Straße, muss man dazu nur die Tür zu einer ehemaligen Zeiss-Halle öffnen. Schon ist man umgeben von Kunsthandwerk der besonderen Art. Exotisch anmutende Lampen, Didgeridoos und Trommeln, Tassen und Schalen, Kleinmöbel, Schnitzereien, Schmuck. "Das meiste stammt aus Marokko", beantwortet Mohamed Zine Liyame, der Geschäftsinhaber, die fragenden Blicke. "Wir haben aber auch Kunsthandwerk aus Ägypten, aus Bali oder Indien hier." Und meist fügt er hinzu: "Schauen Sie sich ruhig in Ruhe um."

Viele Eisfelder oder auch Durchreisende haben inzwischen genau das getan. Der "Simandra"-Laden nämlich lädt seit dem 1. Advent vergangenen Jahres zum Schauen und Kaufen ein.

"So was hat hier gefehlt"

Gerade in der Vorweihnachtszeit habe es verblüffend viel Resonanz gegeben, freut sich der gebürtige Marokkaner Mohamed. "So was hat hier gefehlt", hätten viele Kunde gemeint. Darunter sei beispielsweise eine Frau gewesen, die gerade ein Buch über Marokko gelesen hatte und unbedingt die Teegläser samt Kanne wollte, die in diesem Buch beschrieben wurden. Ein Mann habe von seinem Urlaub in Marokko erzählt und sich nun nachträglich über einige Erinnerungsstücke gefreut. Und alte Zeissianer hätten einfach mal schauen wollen, was aus den ehemaligen Betriebsräumen geworden ist. Nun müsse man halt abwarten, wie sich das Geschäft langfristig entwickelt.

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Sandra beim Befüllen eines künftigen Sitzsacks mit Styropor. 300 dieser Sack-Hüllen werden pro Schicht fertig und warten dann auf Abholung. Fotos: ehrlichbild.com
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Neu in diesem Geschäft ist Mohamed keinesfalls. Schon, als er noch in Nordhessen zu Hause und dort in der Gastronomie tätig war, hat der jetzt 41-Jährige nebenher mit den kunsthandwerklichen Stücken gehandelt. Auf Märkten und Festen überall in Deutschland zum Beispiel. "Ich wollte etwas tun, was mich mit meiner Heimat verbindet", sagt er. "Außerdem wollte ich die vielen kleinen Handwerker im Land, die unglaubliche Fähigkeiten haben, aber in Armut leben, unterstützen."

Mehrmals im Jahr reist Mohamed Zine Liyame nach Marokko, besucht die Handwerker vor Ort, bestellt oder kauft direkt bei ihnen die gewünschten Waren, oft auch ganz speziellen Kundenwünschen folgend. Erstens könne er dann direkt die Werkstätten in Augenschein nehmen und sich zweitens davon überzeugen, dass keine Kinderarbeit im Spiel ist, begründet er das. Zwischenhändler fallen weg, und die kleinen Unternehmen erhalten einen fairen Preis für ihre Produkte. Per Schiffscontainer gelangen die Waren bis Hamburg, von dort mit dem Lkw nach Eisfeld.

Dass Mohamed von Nordhessen nach Südthüringen gezogen ist, hat den wohl schönsten Grund der Welt: 2002 hat er beim Samba-Festival in Coburg, wohin er mit Freunden und Landsleuten zum Trommeln gekommen war, die Frau fürs Leben kennen gelernt. Sandra Kalmbach aus Effelder (Landkreis Sonneberg), von Haus aus Diplombetriebswirtin, war ihrem Liebsten nicht nur nach Hessen gefolgt, sie teilt inzwischen auch seine Begeisterung für marokkanisches Kunsthandwerk. Trotzdem behielt ihre Heimatverbundenheit die Oberhand: "Mohameds Eltern sind tausende Kilometer von uns weg, dann sollte wir wenigstens in der Nähe meiner Eltern sein", habe sie sich immer wieder gedacht, erzählt sie. Als dann vor etwa zweieinhalb Jahren Töchterchen Layla zur Welt kam, wurde die Hilfe der Großeltern um so wichtiger. Also wurden die Fühler ausgestreckt, die leer stehende Immobilie gefunden und später erworben. In Seltendorf fand sich auch bald eine passende Wohnung. Und Sandra machte sich daran, eine neue berufliche Existenz aufzubauen.

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Das antiquarische Teeservice ist eben so schön wie wertvoll. Das Tablett sei aus Silber und handgeschlagen, versichert der Geschäftsinhaber.
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Jetzt ist sie Chefin einer 15-köpfigen Mannschaft - Voll- und Teilzeitkräfte gehören dazu - und sorgt, mittlerweile im Zwei-Schicht-System, dafür, dass im Auftrag etlicher Versandhäuser Hüllen für künftige Sitzsäcke mit Styropor gefüllt werden. Die Hüllen werden in Eisfeld angeliefert, mehrmals täglich, ebenso das Styropor, das hier in riesigen Behältern gelagert wird.

300 Sack-Hüllen pro Schicht werden in der Eisfelder Halle gefüllt und anschließend wieder abgeholt. Sitzsäcke sind momentan gefragt. Da ist es (über)lebenswichtig, dass der Standort verkehrsgünstig in Autobahnnähe liegt und genügend Platz für die Anfahrt der Lkw vorhanden ist. "Es ist weder ein leichte noch eine besonders gut bezahlte Arbeit, die hier zu leisten ist", gibt die Chefin zu. "Aber wir haben uns gut zusammengefunden und die ersten Hürden überwunden." Baustrom, Dixi-Häuschen und eine Heizung, die keine Wärme spendet, gehörten für einige Zeit zum Alltag, als der Betrieb im April vorigen Jahres anlief. Und noch immer ist eine Menge zu tun in Sandras Reich. "Das geht eben nur Stück für Stück", sieht's die 34-jährige Geschäftsfrau auch aus finanzieller Sicht ganz praktisch.

Noch viel mehr möglich

Dafür aber ist der Verkaufs-Bereich seit Ende November fertig. Das Ehepaar Kalmbach - Zine Liyame hat damit zwei völlig getrennte berufliche Standbeine unter einem Dach.

Und Eisfeld ist um einen kulturellen Aspekt reicher. Vor allem, weil sich Sandra und Mohamed neben dem Handel noch einiges mehr vorstellen können. Trommelworkshops beispielsweise, natürlich auf Originalinstrumenten. Oder Vorträge über Marokko, mit tollen Fotos und viel Insider-wissen. "Erlebnisgastronomie" würde den südthüringischen Marokkaner auch reizen, zumal er ja Ahnung vom Metier hat.

Das alles ist noch Zukunftsmusik. Eintauchen aber in die Faszination des Orients, wie auf einem Basar auf ungewöhnliche Entdeckungsreise gehen, das kann man im Werrastädtchen schon heute. Mitten im Winter.

 
 
 

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